Travel-Blog #2
Reise-Dilemma & Venedig as it's best!

21.-27.09.2020

Gerne würden wir euch erzählen, dass wir uns bereits auf dem Weg Richtung Griechenland befinden und uns dabei ein paar korrupten Zollbeamten, zähnefletschenden Bären, umherstreifenden Wolfsrudeln und mindestens einem dieser neumodischen „Medicanes“ stellen mussten. Doch nichts von all dem würde der Wahrheit auch nur annähernd entsprechen. Bis vielleicht auf den „Medicane“, denn hier auf dem Campingplatz „Marina di Venezia“ hat’s vor ein paar Tagen ziemlich heftig gestürmt. Ach Blödsinn … auch das würde einer ernsthaften Analyse nie und nimmer standhalten. Und das ist ja auch gut so!

So liegen wir also immer noch genau da, wo wir den letzten Blog-Beitrag geschlossen haben, auf der Lauer: Auf dem „Marina di Venezia“ in Cavallino-Treporti, einen etwas kräftigen Steinwurf von Venedig entfernt. Auch hier sind die ersten Vorboten des Herbstes bereits eingetroffen, wenngleich längst nicht so schlimm, wie es uns von den Wetter-Propheten Anfang der Woche angedroht wurde. Ein überwiegender Mix aus Sonne und Wolken, ab und zu mal ein Gewitter mit etwas Regen, bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad, führen uns sanft aber dennoch bestimmt vor Augen, dass sich der Sommer auch hier langsam verabschiedet.

Genau das ist einer von 3 Gründen, weshalb wir noch zögern, den nächsten Schritt zu wagen und mittlerweile bereits das zweite Mal unseren Aufenthalt hier verlängert haben. Unser Wunschkatalog umfasst drei Kriterien: 1. Eine gewisse Wettersicherheit, 2. Ausreichend Campingplätze die noch offen sind für den Fall, dass freies Stehen nicht möglich ist und 3. Keine überbordenden Corona-Massnahmen. Vorweg, unser eigentliches Ziel Griechenland ist nun definitiv an Punkt 3 gescheitert. In diesem Zusammenhang muss ich mich noch kurz korrigieren. Im letzten Blog-Beitrag habe ich geschrieben, dass man bei der Einreise auf dem Seeweg keinen aktuell negativen Corona-Test vorweisen muss. Neueren Informationen zufolge macht man aber auch da unliebsame Bekanntschaft mit dem Corona-Wattestäbchen. Über Sinn und Unsinn lässt sich trefflich streiten, muss man aber nicht (und bringt in der Regel auch nichts). Für uns ist das jedenfalls ein klares No-Go-Kriterium. Alternativ haben wir nun schon mehrfach gehört, dass einige Regionen Spaniens in der sonnenverliebten Camperszene zu den absoluten Hotspots gehören. Besonders in den süd-/östlichen Regionen überwintern viele, die Väterchen Frost fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Doch so liebreizend diese Aussichten auch sein mögen, dem gegenüber steht die scheinbar rigoros durchgesetzte Mundschutzpflicht im gesamten öffentlichen Raum. Muss man mögen - kann man akzeptieren - für uns ist das jedenfalls nichts! Und nun zum Rest Europas. Ein Abgleich der Wetterkarten mit den Öffnungszeiten der Campingplätze, gepaart mit den Vorschriften für freies Campen und derjenigen zum Thema Corona lassen uns leider aktuell nicht viel Raum, für einen unbeschwerten Aufenthalt. Auch die neusten Prognosen in all diesen Bereichen lassen leider keine allzu grosse Hoffnung aufkommen.

Aber Jammern hat noch niemandem geholfen und dazu haben wir auch grundsätzlich keinen Grund. Uns geht es allen gut und das gute Wetter behält aktuell noch die Überhand. Einen Vorteil der momentanen Situation haben erst kürzlich bei unserem Trip nach Venedig erlebt. Es war nicht unser erster Besuch in dieser pompösen, geschichtsträchtigen und wunderschönen Stadt. Aber so entspannt unbevölkert haben wir sie noch nie erlebt. Das gab einem mehr als einmal die Gelegenheit, sich beim schlendern durch menschenleere Gassen gedanklich einfach mal ein paar hundert Jahre zurückversetzen zu lassen. Menschen die Corona nicht fürchten und noch nie in Venedig waren - Freunde, jetzt besteht eine einmalige Gelegenheit! Im neusten Video-Blog auf unserem YouTube Kanal könnt ihr euch gerne einen kleinen Eindruck über diese glanzvolle Stadt machen. Viel Spass dabei!





Ein weiterer erfreulicher Punkt ist, dass der Strom an Neuzuzügern auch zwei Wochen vor der Platzschliessung hier auf dem "Marina di Venezia" nicht abreisst. Viele davon sind Schweizer, da dort scheinbar in einigen Kantonen bereits wieder die Herbstferien begonnen haben. Das sorgt zum einen dafür, dass die komplette Infrastruktur noch beinahe wie im Hochsommer voll in Betrieb ist und andererseits für ständig frischen Wind und viele weitere tolle Bekanntschaften. So ergänzen unser Portfolio an bereichernden Begegnungen nun auch noch die Besitzer eines Freizeitparks in der Nähe von Stuttgart, die Betreiber eines Campingplatzes in der Schweiz, einem unglaublich kreativen Griechen und seiner Frau, der in seiner Freizeit die stilvollsten Custom-Made E-Bikes und Autos zusammenschraubt die die Welt je gesehen hat und ein unglaublich nettes Pärchen aus de Kanton Wallis, die uns in ihrem rollenden Palazzo noch ein kleines Einführungsprogramm in's Börsen-Trading verpasst haben. Das Resultat ihrer Lebenswerke ist dabei nicht unbedingt der entscheidende Punkt. Es sind eher ihre Charakter und Werte, die ihnen zum Erfolg verholfen haben, ohne dabei abzuheben. Und die Geschichten dahinter sind oft mehr als spannend! Diese Begegnungen sind ein weiterer Grund, dass wir trotz der ganzen Widrigkeiten nicht verzweifeln. Denn das Reisen lebt nicht nur davon, in kurzer Zeit möglichst viele Orte zu besuchen (zumindest nicht ausserhalb Asiens). Sondern auch von Begegnungen mit spannenden Menschen. Und darüber können wir uns momentan wirklich nicht beklagen.

Etwas weniger erheiternd ist dagegen die Tatsache, dass unsere Gasvorräte langsam zur Neige gehen und sich der Nachschub zu einem kleinen Problem entwickelt. Schlimm genug, dass man sich in Europa zwar auf die maximal zulässige Krümmung einer Salatgurke einigen kann, nicht aber auf einen einheitlichen Anschluss für Gasflaschen. Nun scheint es auch noch so, dass kein Händler inmitten dieses Camping-Hotspots daran gedacht hat, diese Lücke mit dem Verkauf von Adaptern oder einer Füllstation mit entsprechenden Anschlüssen zu schliessen. Zum Glück hatte einer unserer neugewonnenen Schweizer Bekanntschaften eine randvolle Flasche übrig, die er uns zum Preis einer monatlichen Postkarte von unterwegs kostenlos übertrug. Ich sag’s ja … bisher hatten wir mit unseren Bekanntschaften wirklich mehr als Glück!

Und damit kommen wir bereits wieder zum Ende dieses Blogs. Wie gesagt, fehlt aktuell etwas die Tendenz, wann und vor allem wohin es mit uns weiter geht. Unseren Platz haben wir nochmal bis morgen verlängert und bis dahin, so zumindest der Plan, sollten wir Gewissheit haben. Ein knackiges aber erreichbares Ziel. Was dabei herauskommt und wie sich die Umsetzung gestaltet, erfahrt ihr in Kürze hier im nächsten Beitrag.

Hier gehts zum YouTube-Video.

Macht's gut, haltet die Ohren steif und bis bald.

Eure Reisevögel.