Travel-Blog #4 
Die Segel sind neu gesetzt!

05 .- 11.10..2020

Mit den Worten „In Europa wird es mühsam“ titelte am 06.10.2020 eine grosse Schweizer Zeitung einen Artikel, in dem es um die weiteren Reisebeschränkungen in Europa geht. Und auch wenn ich wirklich selten mit dem Blatt einig bin, hier muss ich ihm ein Kränzchen winden. Treffender kann man die aktuelle Reisesituation in Europa nicht beschreiben, ohne Aussicht auf eine rasche Entspannung. Dabei schreckt uns weniger die drohende Quarantäne bei der Rückkehr ab, als die Maulkorbpflicht und/oder die Aussicht darauf, sich von irgendjemandem ein Wattestäbchen in den Mund-, Rachen- oder Nasenraum schieben zu lassen. Unsere Kritik an diesen Massnahmen möchten wir hier nicht breittreten, zumal man sich dabei meist eh wie Don Quijote fühlt. Man kann uns nicht vorwerfen, wir hätten uns nicht bestmöglich über die Situation informiert und uns in’s Thema eingelesen. Und genau deshalb machen wir den ganzen Zirkus nicht mit und selbst wenn das wie in unserem Fall bedeutet, dass wir die Reise nicht annähernd wie geplant durchführen können. Dabei möchte ich gerne nochmal auf den wackeren Don Quijote zurückzukommen, der da einst zu seinem Getreuen sagte: „Die Freiheit, Sancho, ist eine der köstlichsten Gaben, die der Himmel dem Menschen verliehen. Mit ihr können sich nicht die Schätze vergleichen, welche die Erde in sich schließt noch die das Meer bedeckt.“ So hat nun also auch Italien die Maskenpflicht im öffentlichen Raum eingeführt und als kurz darauf die ersten Familien mit Mundschutz am sonnigen Strand auftauchten, war es für uns Zeit zu gehen. Griechenland, Italien und Spanien erfüllen somit jeweils mindestens ein Kriterium, welches sie für uns zu „No-Go-Areas" macht. Also somit praktisch jedes Land, in dem es sich momentan temperaturmässig noch gut aushalten lässt. So haben wir entschlossen, gemeinsam mit unseren Freunden, die wir in der Toskana besucht haben, den Rückweg in die Schweiz anzutreten. Danke Toskana, du hast uns mit deiner Magie verzaubert und warst ein wunderbarer Gastgeber. Für die Umstände kannst du nun wirklich nichts dafür.

So verliessen wir diese wunderschöne Region Italiens am 09.10.2020 im Konvoi und nach einer kalten und etwas lauten Nacht auf einer Raststätte, ging es Tags darauf auf getrennten Pfaden weiter. Für unsere Freunde ging es zurück in den Aargau und wir hatten uns zwischenzeitlich entschieden, unsere neue Bekanntschaft vom Campingplatz in Cavallino-Treporti zu besuchen. Die haben, wie in einem vergangenen Blogbeitrag bereits erwähnt, einen Campingplatz im wunderschönen Meiringen im Kanton Bern. Nach einem kurzen Telefonat, bei dem wir uns superspontan ankündigten, versicherten sie uns, dass sie für uns und unser XXL-Gespann schon irgendwo ein Plätzchen finden werden. Sensationell … dann bis später!

Später bedeutete rund 4 Stunden, die wir für die gut 180km lange Strecke benötigten. Immerhin galt es auf dem Weg noch den Brünig-Pass zu überqueren, der, wie sich herausstellte, Mensch und Maschine so ziemlich alles abverlangte. Zumindest zeugte der exorbitante Benzinverbrauch bergauf und später der beissende Geruch von den Bremsbelägen auf der Talfahrt eindrücklich davon. Doch es war nicht nur der unangenehme Geruch, der uns nach der Ankunft eher unangenehm überraschte. Auch das Wetter hatte sich scheinbar entscheiden, uns nicht allzu herzlich willkommen zu heissen. Zum Glück war dafür der Empfang von Simon, Monika und ihrer Tochter Tamara umso wärmer, die zusammen den Alpencamping in dem sonst malerischen Tal von Meiringen betreiben. Und auch der Campingplatz war nach einer ersten Inspektion eine wahre Perle inmitten dieses Idylls! Unkompliziert wie wir sie damals auf dem Campingplatz „Marina di Venezia“ kennengelernt haben, wurde uns kurzerhand ein inoffizieller Platz direkt vor den Toilettenanlagen zugeteilt. Strom & Wasser in Reichweite, perfekt! Und wenn nun auch das Wetter in den nächsten Tagen noch etwas in die Gänge kommt, freuen wir uns schon darauf, einige der unzähligen Ausflugsmöglichkeiten von hier aus zu besuchen. Simon bot sich jedenfalls bereits als Tour-Guide an, was bei der Fülle an Angeboten sicher eine Erleichterung ist.

Meiringen ist scheinbar nicht nur für Outdoor-Freaks aller Art ein begehrtes Reiseziel, sondern auch für Fans des wohl berühmtesten Detektivs aller Zeiten: Sherlock Holmes. Denn dieser fand im Roman beim Sturz vom Reichenbachfall, dessen Wassermassen hier gleich um die Ecke tosend in die Tiefe stürzen, sein jähes Ende. So gibt es heute nicht nur ein Sherlock Holmes Museum hier im Tal, sondern auch einen „Escape Room“ mit diesem Thema, der freudigerweise gleich zu dem Campingplatz gehört, auf dem wir gerade zu Gast sind. Simon, Monika und Tamara haben Lynn heute damit bereits ein Vorgeburtstags-Geschenk gemacht, indem sie uns dazu eingeladen haben. Wie soll ich sagen, sehr erfolgreich waren wir nicht. Denn die Rätsel, die sie allesamt selbst erdacht und clever in den Raum integriert haben, haben es ganz schön in sich! Unsere Rastlosigkeit muss sich scheinbar auf dem Bildschirm des Überwachungsmonitor abgezeichnet haben, denn nach einer Stunde statteten sie uns einen kleinen und äusserst hilfreichen Besuch in dem stilvoll eingerichteten alten Kellergewölbe ab. Als sie nach knapp 20 Minuten erneut anklopften, waren wir zwar ein ganzes Stück weiter, zum Endsieg hat es aber leider nicht gereicht. Nichts desto trotz war es ein Gelungener Event und nach bereist zwei Besuchten „Escape Rooms“ können wir diesen hier mit gutem Gewissen weiterempfehlen!

Morgen werden wir dann für ein paar Tage in die Heimat zurückkehren. Lynn hat am 13.10, Geburtstag und den möchte sie bei ihrer Oma zusammen mit dem Rest der Familie feiern. Den 5th Wheel können wir hier stehen lassen, denn anschliessend werden wir wieder hierher zurückkommen und noch ein paar Tage bleiben. Wann und wie wir unser nächstes Ziel, von dem wir im letzten Blogbeitrag berichtet haben, in Angriff nehmen werden, ist noch unklar. Die nächste Zeit werden wir sicher noch etwas damit beschäftigt sein, unsere Reise und die ganze Übersiedlung unseres Gespanns in die USA zu organisieren. Da dies voraussichtlich von Hamburg aus geschehen wird, werden wir dann irgendwann den Weg Richtung Norden antreten und dabei sicher noch den einen oder anderen Besuch bei Menschen machen, die wir in der Vergangenheit oder auf der aktuellen Reise getroffen haben. Denn diese Bekanntschaften waren es letztendlich, die die aktuelle Reise allen Schwierigkeiten zum Trotz trotzdem lohnenswert gemacht hat. Dazu haben wir letztens einen Spruch gelesen, der das Ganze treffend in Worte fasst: "It’s the friends we meet along the way, that help us appreciate the journey“. Die Europa-Tour ist also noch nicht beendet. Wir haben einfach die Segel neu gesetzt. Wie das genau im Detail aussieht, erfahrt ihr in Kürze hier in unserem Blog.


Zum YouTube Video gehts hier lang.

In diesem Sinne, macht’s gut und bis bald Freunde.

Eure Reisevögel