BACK TO CANADA BLOG #4
STEP 2 - Anreise in die Mexico-Quarantäne

24.-31.01.2021

Viel haben wir von unserem Hotel nicht mehr gesehen, als wir nach einem 12 Stundenflug spätnachts in unserem Hotel „Royal Solaris“ in Cancun/Mexico angekommen sind und vor lauter Erschöpfung nur noch in’s Bett geplumpst sind. Man mag es bei einer späterer Betrachtung kaum glauben, aber auch in Mexico hat die Sonne zwischendurch mal Pause. Und zwar in der Nacht, so wie es sich für einen Ort gehört, der sich nur knapp 2500 Kilometer vom Äquator entfernt befindet. In der gleichen Pause befand sie sich auch noch, als wir wenige Stunden später, der inneren heimischen Uhr folgend, bereits wieder auf den Beinen waren. Eigentlich hatten wir gehofft, dass die späte Ankunft und der an sich bereits vorhandene Schlafmangel den Jetlag übertölpeln würden, aber leider weit gefehlt. Gewohnheiten scheinen stärker zu sein, als dringend benötigter Schlaf. Das sind Momente, in denen einem sogar die dunkelbraune Plörre aus der Miniatur-Filterkaffeemaschine im Hotelzimmer vorkommt, wie eine feinaufgeschäumte Melange im Kaffeehaus „Havelka“ in der Wiener Innenstadt. Die Kaffeequalität wird dabei lediglich noch vom geistreichen TV-Programm übertroffen, welches einem um diese Uhrzeiten schamlos auf die Pupille geklatscht wird. In Spanisch bekommen diese „Mega-Blockbuster“ noch eine ganz besondere Note. Rund 2 1/2 Stunden verbrachten wir so in einem dämmrigen Wachzustand, bis um 07:00 Uhr endlich das Frühstücks-Bankett eröffnet wurde.

Vorweg, wir haben All-Inclusive gebucht. Was nebenbei erwähnt ein weiteres Novum in meiner Urlaub-Historie ist. Nach anfänglichen Bedenken zeigte eine knallharte Kalkulation jedoch, dass sich dieser Aufpreis am Ende durchaus auszahlen könnte. Zumal sich die Preisdifferenz absolut in Grenzen hielt. Ein knallroter Bändel am Handgelenk weist uns nun als „Turista todo incluido“ aus, was, wie sich später herausstellte, hier eigentlich zum guten Ton gehört. So falsch konnte unsere Kalkulation also nicht sein. Doch bevor wir uns das erste Mal der kostenfreien Völlerei widmen wollten, galt es erst mal nachzusehen, was uns die nächsten Tage hier sonst noch so für's Seelenwohl geboten wird.

Also rein in den Lift, 8 Stockwerke runter in die Lobby, wo wir uns kurz darauf vor einer Schiebetür wiederfanden, die zum Aussenbereich der Hotelanlage führt. Als sich die beiden Türflügel kurz darauf unter viel Getöse zur Seite schoben, verschlug es uns fast den Atmen. Wenn es einem Superlativ von „Atemberaubend“ gibt, hier wäre er angebracht! Vor uns erstreckte sich eine gewaltige, in weiss getünchte Hotelanlage mit vielen kleinen bastgedeckten Hütten, in deren Zentrum sich ein Schwimmbecken olympischen Ausmasses erstreckte. Nur dass dieses Becken mit all seinen Nischen, Farben und Formen wirklich Charme ausstrahlte. Von der ausladenden Poolbar mal ganz abgesehen. Dahinter, und das war wohl die absolute Krönung, erstreckte sich das türkisfarbene Meer, dessen Wellen schäumend auf einen weissen Sandstrand klatschten. In Kombination mit der warmen Sommerbrise, der am Horizont aufsteigenden Morgenröte und ein paar Pelikanen, die sich zwischen den Wellenkämmen kamikazehaft ihr Fresschen holten, war dieser Anblick einfach paradiesisch. Tief einatmen …. ausatmen … ja, das hier ist dann wohl der vielbesagte Weltfrieden! Mit einem letzten Blick auf dieses Idyll ging es nun endlich an’s leibliche Wohl.


Mittlerweile sind wir bereits eine Woche hier und nichts, wirklich nichts hat unseren ersten bombastischen Eindruck bisher getrübt! Das Personal ist sehr zuvorkommend und stets darum besorgt, dass die Gäste weder dehydrieren noch Hunger leiden. Selbst unten am Strand wird man in regelmässigen Abständen aufgesucht und freundlich nach den Leibesbedürfnissen befragt. Und für den Fall, dass der kleine Hunger zwischendurch mal quengelt, stehen einem praktisch rund um die Uhr kleine Fresstempel zur Verfügung. Die Insulinpumpe läuft hier quasi auf Hochtouren und es empfiehlt sich vermutlich nicht, nach so einem Urlaub gleich zum Blutzuckermessen anzutraben. Ihr seht schon, hier spricht die frenetische Stimme eines All-Inclusive-Grünschnabels. Vermutlich lässt auch dieser Reiz irgendwann mal nach, wenn man ständig auf diese Art Urlaub macht. Aber wir fühlen uns gerade wie klein Quarantäne-Könige.

Der Begriff Quarantäne stammt übrigens vom italienischen Wort „Quaranta“ und bezeichnet die 40-tägige Frist, die man Seeleute, als die Pest in Europa wütete, vor dem Hafen von Venedig auf ihren Schiffen schmachten liess, um festzustellen, ob die Neuankömmlinge sich mit dem schwarzen Tod angesteckt hatten. Man hat also Menschen eine gewisse Zeit auf Distanz gehalten um sicher zu gehen, dass man sich mit ihnen nichts gefährliches am Land holt. Vielleicht fragt ihr euch nun, was dieser Ausflug in die Etymologie hier zu suchen hat? Nun, es soll lediglich erklären, weshalb wir berechtigterweise von Quarantäne sprechen, auch wenn wir uns dazu bislang noch nie in ein Zimmer einsperren mussten. Aber das Verfahren, welches die guten alten Venezianer vor rund 800 Jahren angewandt haben deckt sich weitgehend mit dem, was die US-Behörde nun von einreisewilligen Touristen verlangen: „Bleibt 14 Tage weg, dann sind wir sicher, dass ihr ‚sauber‘ seid.“ Mal abgesehen davon, dass es bei uns somit nicht Quarantäne sondern „Quattordici-äne“ heissen müsste und am Ende noch ein Test auf uns wartet, sehen wir da keinen grossen Unterschied. So fühlt sich unser Ausflug hier in Cancun zwar sehr schön an, aber irgendwie stellt sich dieses klassische „Urlaubs-Gefühl“ nie so richtig ein. Urlaub ist normalerweise etwas, dass man sich nach einer gewissen Arbeitsperiode erspart und verdient hat und an dessen Ende, wenn man alles richtig gemacht hat, man mit neuer Lebensenergie versorgt in sein gewohntes Umfeld zurückkehrt. Für uns ist und bliebt es unterm Strich ein aufgedrückter Zwischenschritt, der auch einiges an Ressourcen kostet. Denn die Zeit und das Geld, die uns der gesamte Umweg letztendlich kosten wird, würden wir viel lieber direkt in unser eigentliches Hauptziel oben in Canada investieren. Aber daran können wir auf die Schnelle leider auch nichts ändern, denn den Posten des US-Präsidenten haben sie ja erst kürzlich gerade wieder neu vergeben. Und in 4 Jahren hat sich der Spuk hoffentlich von selbst wieder verflüchtigt. Also haben wir uns nun entscheiden, die Zeit hier allen inneren Widersprüchen zum Trotz zu geniessen. Und wenn nun Ende der Woche der Anti-Gen-Test auch noch das gewünschte Ergebnis abliefert, starten wir so voller Energie und einer gesunden Winterbräune in den nächsten Abschnitt unserer Auswanderungspläne.

Wenn wir schon dabei sind, es folgt nun ein kurzer Abschnitt darüber, wie es in Cancun/Mexico um die ganzen Corona-Massnahmen insgesamt bestellt ist. Es kann ja durchaus sein, dass jemand von euch ebenfalls mit einem längst überfälligen Strandurlaub in Übersee liebäugelt, sich aber aus verschiedenen Gründen wegen der Corona-Situation nicht so ganz sicher ist. Mexico ist nebst Costa Rica momentan eine der wenigen Übersee-Destinationen, in welche man ohne negativen Corona-Test und/oder Quarantäne einreisen kann. Wir können in diesem Abschnitt jedoch nur einen Live-Bericht aus Cancun abliefern, der vermutlich in ein paar Tagen wegen den ständig wechselnden Bestimmungen bereits wieder veraltet ist. Was sich jedoch vermutlich so schnell nicht ändert, sind die ganzen Massnahmen, die man hier wegen Covid-19 und seinen Nachkommen getroffen hat. Denn wer das Gefühl hat, dass die lockeren Einreisebestimmungen gleichzeitig bedeuten, dass man die Geschichte hier auf die leichte Schulter nimmt, der irrt sich.
Es geht bereits damit los, dass es einen grossen Unterschied macht, in welche Region man reist. Mexico wurde je nach Fallzahlen in verschiedene Gebiete unterteilt, was durch ein Ampelsysteme farblich visualisiert wird. Also von „Rot“ = Hohe Fallzahlen bis „Grün“ = Tiefe Fallzahlen. Basis für diese Kategorisierung sind natürlich einmal mehr diese wasserdichten PCR-Tests. Ein Schelm ist, wer dabei böses denkt! Cancun wurde vor ein paar Tagen erst von „Gelb“ auf „Orange“ hochgestuft, was man auch sehr gut an der massiv nachlassenden Auslastung spürt. Denn während die Hotels bei „Gelb“ noch eine Auslastung von 50% haben durften, sind es jetzt noch gerade mal noch 30%! Selber schuld?!? Moment …
Viele deutschsprachige Medien kritisieren zurzeit besonders die Amerikaner, weil sie es wagen, trotz der ganzen Situation in Mexico Urlaub zu machen. Ich weiss zwar nicht, weshalb sich besonders deutschsprachige Medien ständig dazu genötigt fühlen, über den Teich zu schielen und die Moralkeule zu schwingen, aber scheinbar hat man zu wenig eigene Probleme im eigenen Land. Es stimmt, dass der überwiegende Anteil der Touristen hier aus Amerikanern besteht. Aber Mexico medial und damit auch politisch unter Druck zu setzen, um damit zu erreichen, dass ganzen Landstriche, die praktisch ausschliesslich vom Tourismus leben, die Existenzgrundlage entzogen wird, ist wahrlich sehr kurz gedacht. Mag sein, dass das bei der eigenen Bevölkerung hervorragend klappt. Hier fehlt es jedoch an einem entsprechenden Sozialsystem und das hat nach dem letzten langen Lockdown zu unschönen Szenen geführt. Die verzweifelte Bevölkerung ging solange auf die Strasse, bis sich die Regierung letztendlich zu einem Kompromiss in Form dieses Ampelsystems durchgerungen hat. Und die Tourismus-Branche unternimmt wirklich alles, um einen erneuten Shutdown zu verhindern. Die Angst vor dem Virus ist dabei in der Bevölkerung eher weniger zu spüren, als die Panik vor dem drohenden Jobverlust. So kann man die Menschen auch auf Linie halten. Dafür wird man weder blöd angeschaut noch gleich hysterisch angekeift, wenn man mal vergessen hat, die Maske überzuziehen. Wenn überhaupt, dann geschieht das eher beiläufig und auf sehr freundliche Art.
Über die Maskenpflicht bei Kindern konnte oder wollte hier niemand so recht Auskunft geben. Im Hotel empfiehlt man Kindern ab 3-4 Jahren den Lappen überzustülpen, aber es bleibt bei einer Empfehlung. Lynn sieht die Maske mittlerweile als Teil des „Erwachsenseins“ und trägt sich daher eher symbolisch freiwillig. Jamie geht seinen Freiatmer-Weg hingegen unbeirrt weiter und wurde auch noch nie von jemandem ernsthaft angegangen.
Im Innern der Hotelanlage gilt für Erwachsene eine generelle Maskenpflicht, an die sich die meisten Gäste auch halten. Sobald man aber das Hotel verlässt, besteht in der kompletten Aussenanlage mit dem Pool sowie am Strand keine Maskenpflicht mehr. Und da sich hier das Leben hauptsächlich am Pool oder am Strand abspielt, beschränkt sich die Maskenzeit somit lediglich auf den Weg nach Draussen oder zum Essen.
Das Personal hingegen hält sich penibel an die Schutzmassnahmen. So tragen viele der Angestellten zur Maske noch zusätzlich eine Schutzbrille und darüber ein Gesichtsschild … (!!!). Ausserdem wird bei den Angestellten vor und nach dem Dienst die Körpertemperatur gemessen und die Kleidung komplett ausgewechselt. Weiter wird in den Restaurants jedes Besteck vor der Herausgabe gründlich mit einer UV-Lampe abgeleuchtet, die Tische werden nach jedem Besuch gründlich desinfiziert und die lustige Dekontaminationskabine am Hoteleingang haben wir ja bereits erwähnt. Abgerundet werden die Schutzkonzepte durch ein paar Distanz-Aufkleber am Boden, den überall verteilten Desinfektionsmittel-Spendern und einer Schar von Hinweisschildern. Ein Mangel an Engagement gegen das böse Virus kann man den Leuten hier wirklich nicht vorwerfen. 
Dem Gast wird jedoch mehr oder weniger selbst überlassen, wie streng er sich daran hält, ohne dass man ihn gleich ständig massregelt. Alles in allem klappt das auch ohne Zwang hervorragend! Natürlich gibt es auch hier einige sehr übervorsichtige Zeitgenossen, die sich vermutlich auch im Privatleben alleine mit einer Maske in’s Auto setzen. Aber das ist eine kleine Minderheit und so, oder gerade deswegen, herrscht hier ein angenehmes und zwangloses Stelldichein mit den ganzen Massnahmen.
Hier noch ein paar weitere Hinweise, auf die man sich bei einem Besuch hier einstellen sollte. Auf öffentlichen Plätzen mit regem Betrieb besteht Maskenpflicht, genau so wie in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Clubs und Bars sind komplett geschlossen, wobei die Restaurants weiterhin Gäste empfangen dürfen. Einige Sehenswürdigkeiten, zu denen vor allem die Hinterlassenschaften der Mayas und Azteken gehören, sind wegen den Massnahmen angeblich nicht vollumfänglich besuch- bzw. begehbar. Das werden wir sicher demnächst noch genauer herausfinden, wenn wir nächste Woche zu unserem Ausflug nach Tulum und Cobá aufbrechen.
Fazit: Wir für unseren Teil können gut nachvollziehen, weshalb sich Menschen, besonders in Zeiten wie diesen, einfach mal ausklinken wollen um geistig und körperlich wieder durchzuatmen. Und hier ist definitiv kein schlechter Ort dazu. Vermutlich ist der Blick auf den weiten türkisfarbenen Ozean hinaus, gepaart mit einem tiefen Atemzug frischer und ungefilterter Meeresluft der Gesundheit zuträglicher, als daheim ständig von den Medien mit Schreckensszenarien bombardiert zu werden. Der momentane Zeitpunkt ist insofern optimal, als dass die Auslastung der Hotels wie gesagt massiv reduziert wurde. Kein Gedränge und kein Kampf um die besten Sonnenliegen. Und wenn man sich das Preis-/Leistungsverhältnis hier anschaut, gibt es grundsätzlich kein wirklich rationales Argument, welches gegen einen Trip nach Cancun spricht. Zumindest solange sich die Bestimmungen nicht ändern.
Dies war ein kleiner Info-Block zu der Corona-Situation in Cancun. Leider ist sowas in aktuellen Reise-Blogs fast schon ein muss! Einen solchen Lagebericht haben wir auf Anfrage hin kürzlich auch dem Zürcher Tagesanzeiger gegeben. Am Montag sollte der entsprechende Artikel erscheinen. Da sind wir mal gespannt auf das Ergebnis! Den Link dazu werden wir euch im nächsten Newsletter sich noch anfügen.

Um etwas zusätzliche Farbe in den karibischen Alltag rein zu bekommen, haben Jamie und ich kürzlich einen Tausch-Schnupperkurs hier in der Poolanlage absolviert. Unsere Kinder gehören definitiv in die Kategorie „Wasserratten“, wobei Jamie sich dabei ganz besonders als Reinkarnation des legendären Jacques-Yves Cousteau erwiesen hat. Für Jamie war das Tauchen mit der Flasche eine Premiere und für mich und meinen Tauchschein ein dringend benötigter Refresher. Eigentlich war geplant, dass Jamie als schulische Ergänzung gleich den Open Water Tauchschein macht. Immerhin lernt man dabei einiges über Technik, Physik, etc. Doch leider erging es ihm dabei wie so oft in seinem Leben: Knapp daneben ist auch vorbei. Während ihm normalerweise immer ein paar wenige Zentimeter bei den Messstationen vor den coolen Achterbahnen fehlen, waren es dieses Mal ein paar Monate. 10 Jahre ist hier das Mindestalter für den Tauchschein. Irgendwie kann er einem wirklich leid tun. Aber Übung macht den Meister und so ertrug er es auch dieses Mal mit Fassung. Dafür machten ihm die folgenden Minuten im Pool umso mehr Spass. Unter vielen Komplimenten des Instruktors zog er seine Bahnen durch den Pool, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht. Als kleine Wiedergutmachung für die Enttäuschung liess uns der Instruktor nach dem Pflichtprogramm noch ein paar Minuten länger völlig unbehelligt den Pool nach Rissen und anderen Beschädigungen absuchen. Ein netter Mann, von dem ich mich im Anschluss dann auch zu einem Tauchgang im offenen Meer bequatschen liess. Viel Überzeugungskraft brauchte er dazu allerdings nicht. Denn seit ich den Tauchschein vor rund 6 Jahren im kalt-/trüben Wasser eines heimischen Sees gemacht habe, wollte ich schon immer mal im kristallklaren und angenehm temperierten Meer tauchen. Also dann …

So stand ich also ein paar Tage später, nach einer kurzen und abenteuerlichen Fahrt mit dem öffentlichen Bus, am Eingang der Tauchbasis von Aquaworld. An dieser Stelle nochmal schönen Dank an den Busfahrer, der mir kurz vor dem Aussteigen noch schnell einen Fahrschein andrehen wollte und mich in der dabei entstandenen Hektik mit einem kursübergreifenden Wechselgeld-Trick über’s Ohr gehauen hat. Nicht alles auf’s Mal ausgeben … gell!
Zwei Tauchgänge in der Nähe von „Isla Mujeres“ standen heute auf dem Programm. Doch um dahin zu gelangen, ging es erstmal eine gefühlte Ewigkeit mit dem Boot durch einen Mangroven-Wald und danach über das offene aufgewühlte Meer, bis wir endlich den ersten Tauchspot am „Musa Reef“ erreichten. Während man sonst normalerweise Schiffe oder lieblose Stein- oder Betonblöcke zwecks „Aufforstung“ von Riffen versenkt, haben sich hier ein paar Künstler so richtig ausleben können. In kleinen Gruppen tauchten wir anschliessend von einer Beton-Skulptur zur Nächsten. Einiges, wie z.B. der aus Beton gegossene VW-Beetle, eine Wassermine oder ein Ring, der aussah wie das Tor aus dem Film Stargate, waren wirklich witzig. Das Eindrücklichste war jedoch eine Schar versenkter Menschenskulpturen, die zu hunderten wie die Terrakotta-Armee im Mausoleum Qín Shǐhuángdìs am Grund standen. Frauen, Männer und Kinder, deren Gesichter durch den Korallenbewuchs aussahen, wie die der Besatzung der „Flying Dutchman“ aus dem Film „Piraten der Karibik 2“. Lediglich die später angetauchten Männer in Business-Anzügen, die ihren Kopf in den Sand stecken, trafen nicht so ganz meinen Geschmack. Vermutlich haben die eine tiefere politische Bedeutung, die ich Kunstmuffel wohl einfach nicht verstanden habe. Die Fische und Korallen schienen im Gegensatz zu mir jedenfalls ihre helle Freude daran zu haben. Leider waren unter den Lebewesen keine wirklich spektakulären Exemplare vertreten und allgemein betrachtet glich dieser Tauchgang eher einem Unterwasser-Museumsbesuch.
Da wurde uns beim zweiten Tauchgang am „Manchones Reef“ schon etwas mehr von der Unterwasser-Faune geboten. So trafen wir bei dem Tauchgang u.A. auf einen Schwarm griesgrämig dreinblickender Barrakudas und als absolutes Highlight durfte ich ein Stück weit der Wegbegleiter einer Unterwasserschildkröte sein, die sich auf ihrem eleganten Weg durch das Riff befand. Aber auch die einigermassen intakten Riffs mit hunderten von in der Strömung hin- und her schaukelnden bunten Fischen, die sich selbst beim Hindurchtauchen nicht weiter stören liessen, waren wirklich grossartig. Rückblickend hat sich der gesamte Ausflug absolut gelohnt. Die Sicht war unglaublich und auch die Wassertemperatur liess mich den Neoprenanzug keine Sekunde vermissen. Die beiden Tauchspots sind ideal für Leute wie mich, die zwar einen Tauchschein aber praktisch null Erfahrung haben. Das Risiko ist durch die moderate Tauchtiefe von 10 Metern bei rund 40 Minuten Tauchzeit durch das Fehlen von Dekompression-Stops wirklich sehr gering. Angeblich soll diese Region auch ein Hotspot für das Tauchen mit Walhaien sein. Leider lassen sich die erst ab Mai blicken und bleiben dann bis ungefähr in den September hinein. Das wäre definitiv noch die Kirsche auf dem Eisbecher gewesen!


Der Rest der Woche liessen wir es eher ruhig angehen. Natürlich gibt es hier noch eine Flut von weiteren Ausflugsmöglichkeiten, aber wir sind ja noch ein paar Tage hier und man sollte sein Pulver nicht gleich zu Beginn verschiessen. Und so sieht unser Tagesablauf momentan so aus, dass die Kids am Morgen ihren Schulstoff durchpauken, während Papa sich den Reisevideos und den Berichten zuwendet. In diesem Zusammenhang erhielt ich kürzlich vom Hotel einem speziellen Netzwerk-Zugang. Denn mit der Standard-Internetgeschwindigkeit hier im Hotel ist gar nichts anzufangen. Schon gar kein Upload von einigen Gigabytes. Die Nachmittage verbringen wir dann meist am Pool oder Strand, wo wir zwischendurch immer mal wieder Besuch von Iguanas bekommen. Bettelnde und futterklauende Möwen, Tauben oder Spatzen kennt man ja bereits. Aber dass nun auch diese rund 1 Meter lange Echsen in der Branche mitmischen, ist uns doch neu. Und so wie’s aussieht, laufen die dem Federvieh bald den Rang ab. Denn die lassen sich mit „Husch, Husch“ nicht so leicht vertreiben und ihr peitschenartiger langer Schwanz macht auch ganz schön Eindruck!


Was war noch? Ach ja … es gibt gute Neuigkeiten von der Quarantäne-Front in den USA. Wir waren Recherchen zufolge der festen Überzeugung, dass wir uns nach der Ankunft in den USA in eine 7-10-tägige Quarantäne begeben müssen. Dies ist nun scheinbar nicht so. Es wird lediglich „recommended“, also empfohlen. Darüber wie wir diese Empfehlung umsetzen werden, brauchen wir wohl nicht weiter zu erwähnen. Dafür machen uns die Fortschritte beim Verschiffen unseres Gespanns gerade etwas Sorgen. Gemäss „Ship-Tracker“ bewegt es sich seit einiger Zeit vor dem englischen „Southampton" im Zick-Zack. Natürlich dachten wir erst, dass beim entsprechenden Satelliten eine Sicherung durchgebrannt ist. Aber die ständig nach oben korrigierte Ankunftszeit deckt sich mit dieser sinnlosen Irrfahrt. Aktuell soll unser Gespann also erst am 18.02.2021 in „Charleston / USA“ ankommen, statt wie ursprünglich vereinbar am 12.02. Ab dann muss man bis zur effektiven Abholung nochmal 3 Tage drauf rechnen. Werden bei Gelegenheit mal anfragen, was da genau los ist. Immerhin scheint unser Gespann aber auf dem Schiff zu sein, was schon sehr erfreulich ist!


Noch kurz was in ganz anderer Sache. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, hinkt der Newsletter immer eine Woche hinterher. Das ist eine Lehre aus der Vergangenheit, um uns etwas den Druck zu nehmen. Wenn man versucht, einen Wochenrückblick am Ende der Woche topaktuell hochzuladen, entsteht oft Hektik, die sich auch auf die Qualität auswirkt. Denn man möchte ja die Ereignisse vom Wochenende ebenfalls in die Berichte einfliessen lassen. Das ist besonders beim Videotagebuch, welches wir parallel zu den Newslettern auf unserem YouTube-Kanal veröffentlichen, aus Zeitgründen oft unmöglich. Dazu ist nie garantiert, dass einem genau dann auch ein ausreichender Internet-Zugang zur Verfügung steht. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was wir schon alles unternommen haben, um irgendwo an einen gescheites WLAN zu gelangen. Durch die Verzögerung haben wir nun die Chance, alle Berichte, ob in Schrift oder Bild, bei besten Bedingungen und in aller Ruhe fertigstellen und hochladen zu können. Am Tag X heisst es dann nur noch auf „Veröffentlichen“ drücken. Nichtsdestotrotz sind die Berichte auch so aktuell und falls mal was bahnbrechendes Geschieht, schieben wir natürlich sofort einen Breaking News-Letter ein.

An dieser Stelle nochmal der bereits bekannte Hinweis auf unser Reisevideo der ersten Woche in Cancun, welches euch die entsprechenden Bilder zu dem Text hier liefert! Hier geht's direkt zum Video!

Und damit wünschen wir euch noch ein schönes Wochenende, „händ Sorg“ und bis bald liebe Freunde.

Eure Home on Wheels
Martin, Amy, Lynn und Jamie (nach Alter sortiert ;-)